Warum boomt die Nachfrage nach Kodierfachkräften im Gesundheitswesen?

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Der wohl gefragteste Ausbildungsberuf im Gesundheitswesen im Moment?

Unter den Gesundheitsberufen gewinnt der Beruf der Kodierfachkraft im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Wenn du einen Beruf mit hohem Zukunftspotenzial suchst, Freude an administrativen Aufgaben hast und medizinisch interessiert bist, wirst du dich in diesem Gesundheitsberuf wohlfühlen.

Auslöser für den steigenden Bedarf an Kodierfachkräften im Gesundheitsbereich

Die Abrechnung mit den Krankenkassen läuft pro Patient über eine individuelle Fallpauschale. Hierfür werden bestimmte Kriterien herangezogen wie Haupt- und Nebendiagnose, Therapien und außerdem Leistungen wie beispielsweise Beatmungsstunden. Jeder einzelne Posten daraus trägt einen eigenen Code. Außer seiner abrechnungstechnischen Funktion definiert das G-DRG-System eine Erkrankung, ihren Verlauf und die Behandlungen. Damit wird jeder „Patientenfall” vergleichbar und transparent. Hauptziel des G-DRG-Systems sind die Verkürzung der Liegezeiten in Krankenhäusern, der Abbau von Überkapazitäten und insgesamt eine Kostenbegrenzung beziehungsweise Kostensenkung.

Anfangs erledigten Ärzte diese Kodierungen selbst. Da sie sich allerdings als direkt an Patienten arbeitende Mediziner begreifen, empfanden sie Kodierungen eher als notwendiges Übel denn als wahre Berufung. Erschwerend kam hinzu, dass der Aufwand für die Kodierungen stieg, ebenfalls der Frust unter den Ärzten, die sich dadurch in der Erfüllung ihrer ursprünglichen Aufgaben behindert sahen. Zudem ist ein Arzt für die Tätigkeit der medizinischen Kodierung überqualifiziert und somit letztendlich auch zu teuer. Die Übertragung der Kodierungspflicht an das ebenfalls voll ausgelastete Pflegepersonal wäre ebenso wenig zielführend. Es ist offensichtlich: Hier muss ein darauf spezialisierter Gesundheitsberuf die Lücke schließen.

Berufsbild Medizinische Kodierfachkraft

Medizinische Kodierfachkräfte arbeiten vor allem in Krankenhäusern und Kliniken sowie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Ihre Hauptaufgabe ist das Erfassen medizinischer Leistungen über die sogenannten Fallpauschalen entsprechend dem G-DRG-System. G-DRG steht für „German Diagnosis Related Groups”, zu deutsch: „diagnosebezogene Fallgruppen”. Das System wurde in Deutschland ab 1. Januar 2004 verpflichtend.

Inzwischen zählt der Beruf der Kodierkraft zu den meistgefragten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten unter den Gesundheitsberufen. Der Einsatz von Medizinischen Kodierfachkräften beziehungsweise Klinischen Kodierern erfolgt in der klinischen Abrechnung. Sie unterstützen die Medizincontrolling-Abteilung. Das Delegieren der klinischen Kodierungsaufgaben an die Kodierfachkräfte entlastet Ärzte und Pflegepersonal.

Basis für die Verschlüsselung entsprechend dem G-DRG-System ist die medizinische Dokumentation in den Patientenakten. Daraus folgt, dass du als Kodiersachbearbeiter umfangreiche Kenntnisse sowohl in der medizinischen Dokumentation der Patientenbehandlungen als auch in den Abrechnungsverfahren benötigst.

Ausbildung zur Medizinischen Kodierfachkraft

Die Ausbildung ist nicht einheitlich geregelt. Du stehst einem Angebot zahlreicher Anbieter unterschiedlicher Kompetenzen gegenüber. Mit der Auswahl deines Ausbildungsplatzes stellst du bereits die erste Weiche in Richtung Karriere. Vom Ansehen des Ausbilders hängen deine anschließenden Karrierechancen entscheidend ab. Empfehlenswert ist die Ausbildung bei einem angesehenen Partner der Industrie- und Handelskammer.

Ausgebildete Medizinische Kodierfachkräfte IHK beherrschen die gängigen Kodierungssysteme und Abrechnungsmodalitäten. Ihr Berufsabschluss „Zertifizierte Medizinische Kodierfachkraft IHK” genießt in der Gesundheitsbranche hohes Ansehen.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Anders als herkömmliche Gesundheitsberufe beschränkt sich das medizinische Kodierwesen auf verwaltende Aufgaben. Neben medizinischen Kenntnissen und Erfahrung in klinischen Abrechnungsmethoden benötigst du ein ausgeprägtes Zahlenverständnis, analytisches Denken, EDV-Kenntnisse und steten Überblick über die von dir verwalteten großen Datenmengen.

Eine bereits vorhandene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf wie Medizinische Fachangestellte oder Pflegefachkraft ist eine ausgezeichnete Grundlage. Doch solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du den Patienten kaum je persönlich begegnen wirst. Du solltest daher Freude an administrativen Aufgaben haben.

Detaillierte Ausführungen zum Beruf der Medizinischen Kodierkraft findest du auch unter diesem Link: https://gesundheitsberufe.de/berufsbilder/klinische-kodierfachkraft.

Karrierechancen

Der Stellenmarkt für Medizinische Kodierfachkräfte ist überdurchschnittlich gut. Bei ihrer Tätigkeit erfahren sie viel Anerkennung. Am besten sind die beruflichen Aussichten hier:

  • Krankenhäuser und Kliniken
  • ambulante Behandlungszentren
  • Reha-Einrichtungen
  • Krankenkassen
  • Sozialversicherungen

Zur beruflichen Weiterentwicklung bis zum Aufstieg ins Management bieten sich berufsbegleitende Fernstudiengänge an bis zum Bachelor- oder Master-Abschluss, zum Beispiel für Pflegemanagement, Gesundheitsökonomie oder Public Health.

Gehaltsaussichten

Über das Gehalt von Medizinischen Kodierfachkräften lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen. Der Verdienst schwankt stark und hängt insbesondere vom Träger der Gesundheitseinrichtung ab und seiner Gehaltseinstufung der Kodierkraft. Das durchschnittliche Brutto-Einkommen für Medizinische Kodierfachkräfte beträgt circa 32.500 Euro jährlich.

Gesundheitsberufe: Warum die Nachfrage nach Kodierfachkräften boomt

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Kodierung von Patientendaten nach dem G-DRG-System durch Ärzte kontraproduktiv: einerseits ist das Arzthonorar für diese Aufgabenart zu teuer, andererseits fehlen Ärzten oft ausreichende Kodierkenntnisse mit daraus resultierenden unvollständigen Kodierungen.

Die Beschäftigung einer fachlich ausgebildeten Medizinischen Kodierkraft erfolgt zu einem angemessenen Stundensatz bei gleichzeitig korrekten Arbeitsergebnissen. Untersuchungen zeigen, dass Krankenhäuser und Kliniken mit der Einstellung von Medizinischen Kodierfachkräften Geld sparen und ihre Erlöse deutlich steigern. Ausführliche Erläuterungen dazu enthält ein Artikel im Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/76069/Kodierfachkraefte-koennen-Erloese-fuer-Krankenhaeuser-deutlich-steigern.

Kodierfachkräfte werden auch in Zukunft auf dem Stellenmarkt stark gefragt sein. Es handelt sich hierbei zweifellos um einen Gesundheitsberuf mit hervorragenden Perspektiven.

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